life-science Karriere ServicesEin spezieller Wirkstoff (Selinexor) bietet bei der Behandlung von austherapierten Myelom-Patientinnen und -Patienten eine neue Behandlungsmöglichkeit. Das ergab eine internationale klinische Studie unter Beteiligung der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften Krems (KL Krems). Dank eines neuen Wirkmechanismus bietet das Medikament vor allem für jene – wachsende – Gruppe an Patientinnen und Patienten Hoffnung, deren Tumorzellen bereits gegen die drei gängigen Wirkstoffklassen von Therapeutika Resistenzen entwickelt haben und bei denen keine aktuell verfügbare Therapie mehr Verbesserung bringt.

Anzahl von Patienten mit Resistenzen gegen konventionelle Myelom Therapien nimmt zu

Das Multiple Myelom ist die zweithäufigste Krebserkrankung blutbildender Zellen. Zur Behandlung stehen neben der autologen Stammzelltransplantation und der konventionellen Chemotherapie drei Therapietypen zur Verfügung, die meist in Kombination verabreicht werden: Immunmodulatoren, monoklonale Antikörper und Proteasominhibitoren. Entwickeln die Betroffenen Resistenzen gegen einen der Medikamententypen, wird oftmals zu einem anderen Typ gewechselt. Doch immer häufiger gibt es Patientinnen und Patienten, deren Tumorzellen bereits gegen alle drei Typen resistent sind. Für diese existiert derzeit keine weitere medikamentöse Behandlung mit Aussicht auf Besserung. Ein neues Medikament bietet nun neue Behandlungsmöglichkeiten, wie ein internationales Team unter Beteiligung von Dr. Klaus Podar (Klinische Abteilung für Innere Medizin 2 des Universitätsklinikum Krems) der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften Krems (KL Krems) zeigen konnte.

In USA durch beschleunigtes Verfahren zugelassen

„Mehr als ein Viertel aller Myelom-Betroffenen zeigten in unserer Studie eine als positiv zu wertende Reaktion auf die Behandlung mit dem neuen Wirkstoff Selinexor in Kombination mit Dexamethason, einem Immunsuppressivum“, kommentiert Klaus Podar das wesentliche Ergebnis der Studie. In dieser wurde als primärer Endpunkt eine über 50-prozentige Reduktion des Vorkommens von Myeloma-Protein im Serum Betroffener definiert. Einige wenige der Behandelten zeigten sogar eine deutlich stärkere Reduktion dieses krebsrelevanten Proteins. Auf Grund dieser überzeugenden Ergebnisse wurde das Medikament in den USA vor kurzem bereits durch ein beschleunigtes Verfahren zugelassen.

Die Studienteilnehmer/-innen

Insgesamt wurde im Rahmen der klinischen Phase-2b-Studie 122 Betroffenen in Europa und den USA die Teilnahme an der Studie ermöglicht. Im Mittel waren die Patientinnen und Patienten 65 Jahre alt und litten bereits über 6 Jahren an einem Myelom. Alle Betroffenen hatten bereits zwischen 3 und 18 Therapien erhalten, und dennoch war die Erkrankung bei allen auf Grund von Resistenzen der Tumorzellen voranschreitend. Sie alle erhielten den neuen Wirkstoff zusammen mit Dexamethason.

Neuer Wirkmechanismus hemmt Protein Exportin-1

Selinexor ist vor allem auch deshalb interessant, da die Substanz einen völlig neuen Wirkmechanismus bietet. Dieser beruht auf der Hemmung des Proteins Exportin-1 (XPO-1), das für den Transport von Tumor-assoziierten Molekülen aus dem Energiezentrum der Zelle (dem Zellkern) in das Zytoplasma der Zelle verantwortlich zeichnet. Außerdem aktiviert Selinexor Tumorsuppressorproteine im Zellkern. Der Wirkstoff tötet damit die Krebszellen. Besonders für vielfach vorbehandelte Patienten, für die es praktisch keine weiteren Therapieoptionen mehr gibt, stellt der neue, als Tablette verfügbare Wirkstoff einen Hoffnungsträger dar, wie Klaus Podar ausführt: „Der Wirkstoff hat damit das Potenzial, auch dann noch Behandlungsoptionen zu erlauben, wenn andere Therapeutika – bedingt durch Resistenzen – versagen.“

Selinexor ein möglicher Wirkstoff unter Vielen

Die beschleunigte US-Zulassung des Medikaments zeigt für Klaus Podar auch, wie effektiv gezielte Therapien unter Umständen sein können und wie wichtig entsprechende Forschung zum Nutzen unserer Patientinnen und Patienten ist. Selinexor stellt eine von vielen neuen Ansätzen in der Myelom-Therapie dar, die im Rahmen der onkologischen Forschung an der KL Krems verfolgt werden. Zu diesen zählen die gezielte Regulierung von Transkriptionsfaktoren sowie spezielle Kombinationstherapien im Rahmen der autologen Stammzelltransplantation.

Originalpublikation: Oral Selinexor–Dexamethasone for Triple-Class Refractory Multiple Myeloma. Ajai Chari, M.D. et al. N Engl J Med 2019; 381:727-738. DOI: 10.1056/NEJMoa1903455

Hintergrundinformation:

Die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) fokussiert auf ein fächerübergreifendes, international ausgerichtetes Studienprogramm, das eine sinnvolle Ergänzung zum klassischen Ausbildungsangebot der öffentlichen Universitäten darstellt. Mit ihrem europaweit anerkannten Bachelor-Master-System stellt die KL eine Bildungseinrichtung dar, die auf die Bedürfnisse der Studierenden und Anforderungen des Arbeitsmarkts abgestimmt ist. In der Forschung konzentriert sich die KL gezielt auf Nischenfelder in gesundheitspolitisch relevanten Brückendisziplinen wie der Medizintechnik, der Psychodynamik und Psychologie sowie dem Thema Wasserqualität und den damit verbundenen gesundheitlichen Aspekten. Die KL wurde 2013 gegründet und von der Österreichischen Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung (AQ Austria) akkreditiert.

Rückfragehinweis:

Wissenschaftlicher Kontakt
Priv.-Doz. Mag. DDr. Klaus Podar
Klinische Abteilung für Innere Medizin 2
Universitätsklinikum Krems Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften
3500 Krems an der Donau
T +43 2732 9004 – 0
E klaus.podar@krems.lknoe.at
W http://www.krems.lknoe.at

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