MyoBeatz ist eine mobile App zur neuromuskulären Rehabilitation nach Nerventransfer oder Amputation der oberen Extremität. Diese Art der modernen, ambulanten Therapie ermöglicht es Patienten ortsungebunden zu trainieren und reduziert damit den zeitlichen und finanziellen Aufwand der Klinik, der Versicherung, und vor Allem der Patienten – ohne Verlust der Behandlungsqualität.

Eingereicht von: Cosima Prahm, MSc BA
Firma/Universität: Medizinische Universität Wien – CD Labor für Rekonstruktion von Extremitätenfunktionen
Homepage: www.meduniwien.ac.at
Kooperationspartner: Ottobock Healthcare GmbH

Virtuelle Rehabilitation – MyoBeatz

Neue Therapiemodalitäten erfordern neue Rehabilitationsstrategien und Technologien. Selektive, kognitive Nervenverlagerungen ermöglichen heute die Wiederherstellung von Funktion sowohl nach schwerwiegenden zentralen bzw. peripheren Nervenverletzungen aber auch verbesserte prothetische Steuerung nach Extremitätenverlust. Die größte Herausforderung nach solchen Eingriffen ist das Wiedererlernen bzw. Ansteuern neuronaler Netzwerke. Dieser Lernvorgang ist komplex und bedarf eines Biofeedbacks. Dies ist insbesondere nach Extremitätenverlust von großer Bedeutung, da die gesamte sensorische und propriozeptive Komponente verloren gegangen ist und umso mehr einer alternativen Feedbackschleife bedarf. Konventionelle Rehabilitationsmethoden, die nach einer Nervenübertragung oder einer Amputation der oberen Extremität angewendet werden, basieren auf der Ausführung repetitiver Übungen, bei denen die langfristige Motivation und Anstrengung der Patienten nur schwer aufrechtzuerhalten sind. Um Patienten ein adäquates Biofeedback zu ermöglichen und Sie zu motivieren Ihre kognitiv beste Leistung zu bringen, können sie mittels einer spielbasierten, mobilen Smartphone App BioFeedback zu ihren Muskelsignalen erhalten. Diese Art der Rehabilitation trainiert intuitiv jene Muskeln, die für die korrekte motorische Kontrolle benötigt werden.

life-science.eu - Foto: (c) Cosima PrahmBasierend auf einem Pilotprojekt in 2016 entwickelte eine Forschungsgruppe der Medizinische Universität Wien 2017 den Prototyp einer klinisch orientierten, mobilen App für das Smartphone (MyoBeatz), die die neuromuskulären Fähigkeiten des Patienten in den folgenden Kriterien trainiert und evaluiert:

  1. maximale Kontraktion,
  2. proportionale Feinmotorik,
  3. isolierte Aktivierung verschiedener Muskelgruppen und
  4. Muskelausdauer.

Im Gegensatz zur bisherigen Literatur müssen die Teilnehmer nicht nur repetitive Beuge- und Streckbewegungen ausführen, sondern auch die fortlaufende Muskelaktivierung über unterschiedliche Zeiträume trainieren, präzise Kontraktionen durchführen und simultane Muskelbewegungen ausführen. Darüber hinaus werden Motivation, Anstrengung und Patientenleistung während der Studie gesammelt und mit einem Standard-Trainingsgerät, dem MyoBoy, verglichen.

Die Modularität der App dient Patienten mit Ober- und Unterarmdefiziten gleichermaßen, da sie nicht nur die eigene Prothese des Patienten, sondern auch handelsübliche Elektrodenarrays betreibt und so sowohl die Kosten für das Versicherungsunternehmen als auch die Wartezeit für die prothetische Versorgung reduziert.

Dieses Projekt ist weltweit das erste, welches die Nutzung moderner Smartphone-Anwendungen in der prothetischen Rehabilitation wissenschaftlich untersucht und das Protokoll in einer randomisierten kontrollierten Studie evaluiert. Es stellt auch die erste mobilbasierte langfristige Intervention in der Rehabilitation von Nervenübertragungen oder nach Amputation dar und demonstriert damit das Potenzial, mobile Apps als neuen Standard in der motorischen Rehabilitation zu etablieren.

Um dem wissenschaftlichen Standard zu entsprechen, wurde im vergangenen Jahr eine Vorstudie zur virtuellen Rehabilitation durchgeführt und in einem Top-Journal veröffentlicht (DOI: 10.2196/games.6026), sowie auf nationalen und internationalen Konferenzen präsentiert, die mit zwei Vortragspreisen ausgezeichnet wurden.

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