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Job on the Top

Sie sind erfolgreich den Weg der Wissenschaft gegangen. Wodurch unterscheiden Sie sich von Ihren Studienkollegen?

Ich bin nicht viel anders als die anderen, vielleicht etwas kompromissloser am dranbleiben an einem Thema. Wenn mich etwas interessiert, dann lass ich mich darauf ein und gehe meiner wissenschaftlichen Neugierde nach. Vielleicht musste ich mich deshalb nie aktiv um etwas bewerben, sondern wurde immer geholt. Ellbogenakrobatik war mir immer zu wider. Als ich vor 20 Jahren in Denver um 3 Uhr morgens den Anruf bekam und mir die Stelle als Leiter des Konrad Lorenz Instituts mit der Assistenzprofessur an der Universität Wien angeboten wurde, hatte ich nicht lange überlegt.

Wie sieht der Alltag eines Wissenschafters aus?

Mein Tag beginnt zwischen 5-6 mit Schreiben und Lesen, ab 10.00 Uhr bin ich dann meistens am Institut, nachmittags geht es ans Management, danach folgen Seminare und Abends gibt es oft noch gesellschaftliche Termine zum Networken. Die beste Erholung finde ich am Wochenende darin, etwas in Ruhe zu lesen, mich auf nur eine Sache konzentrieren zu können.

Eine wissenschaftliche Karriere braucht auch sehr viel Toleranz vom Partner. Unsere Urlaubswahl beispielsweise wurde immer danach getroffen, wo gerade welcher Kongress stattgefunden hatte. Unsere Kinder besuchten zum Teil in den USA die Volksschule. Es ist immer auch eine Frage, wie gut es sich mit dem Beruf des Partners verbinden lässt.

 

Ihre populärste Arbeit ist sicher Ihr Wolfsforschungszentrum in Ernstbrunn. Wie kam es zu diesem Zentrum?

Die Idee zum Wolfsforschungszentrum haben wir (Dr. Friederike Range, Dr. Zsofia Viranyi, KK) in Wien. Zu dritt hatten wir die Idee, keine Finanzierung aber viel Begeisterung. Wir sind 2008 nach Herberstein gefahren, haben 4 Wolfswelpen geholt, um sie zu Partnern in der Wissenschaft heranzuziehen. Die ursprüngliche spontane Idee ist mittlerweile ein kleines Unternehmen mit 5 Beschäftigen geworden, das auch in die Umgebung ausstrahlt. Etwa 10.000 Besucher mehr konnte der Wildpark Ernstbrunn wir im Vorjahr dank des Wolfsforschungszentrum zählen. Mittlerweile finanziert sich das Wolfsforschungszentrum über Mitgliedsbeiträge, Eintritte, Seminargebühren, Sponsoring, öffentliche Förderungen und Beiträge der Uni Wien. Wer will, kann z.B. gegen einen Beitrag für das Forschungszentrum Wolfsgeheul als Klingelton fürs Handy downloaden.

 

Sie sprechen von Seminaren, welche Seminare sind dies?

Wölfe eigenen sich ideal für Managementseminare. Die Prinzipien der Führung in einem Wolfsrudel sind ähnlich dem Verhalten von Menschen. Es gelten dieselben sozialen Interaktionsspielregeln, wenn es darum geht im Rudel etwas zu erreichen. Unter den Fittichen der Fa. Management Pilots führen wir gelegentlich zweitägige Seminare durch. Die Themen können Konfliktmanagement, Führungsverhalten, Teamtraining etc. sein. Wölfe sind sehr sensibel und nehmen die Emotionen des Menschen sehr unmittelbar wahr und spiegeln sie wieder. Sozusagen bekommen die Menschen Feed-back von den Wölfen über ihr eigenes Verhalten, wie sie bei den Tieren ankommen. Manche nehmen das Feed-back von den Wölfen eher an, als sie es von einem professionellen Trainer oder einer Führungskraft annehmen würden. Auffallend ist auch, wie sehr die Menschen durch diese Tiere emotionalisiert werden. Der Wolf übt eine Faszination aus, er hat etwas Besonderes an sich.

 

Wie gefährlich ist die Arbeit mit Wölfen?

Mit der Führung des Wolfszentrums und der Sicherheitsfrage ist natürlich auch viel Verantwortung verbunden. Wir arbeiten nach der Philosophie „glückliche Wölfe sind friedliche Wölfe“. Es sind ausgewachsene, geschlechtsreife Rüden und Weibchen und sie leben in friedlicher Eintracht zusammen. Wäre es „gefährlich“, würden wirs nicht tun.

 

Sie sind mit den Wölfen am stärksten in den Medien präsent. Sind die Wölfe Ihre wichtigste Forschungsarbeit?

Nein, das wissenschaftliche Fundament wurde in Grünau mit den Graugänsen, Waldrappen, Raben etc. gelegt. Ich würde sagen, mit den Graugänsen arbeiten wir schon viel länger und haben daher auch bereits weitreichendere Ergebnisse als an den Wölfen. Aber sie sind nicht so attraktiv für die Öffentlichkeit, daher ist die Arbeit mit den Wölfen besser bekannt.

 

Woran forschen Sie z.B. mit den Graugänsen?

Daran, wie sie das Zusammenleben organisieren. Sie führen z.B. langzeitmonogame Partnerschaften. Die Partnerschaft etwa, dient dem Weibchen dazu, ruhiger in der Schar leben zu können und damit im Frühjahr mehr Eier zu legen und umgekehrt motiviert sie ihn, dass er sich aggressiver nach außen richtet. Die Graugänse widerlegen die Annahme, dass sich die Weibchen nur an den Genen orientieren. Sie suchen sich einen Partner, neben dem sie sich „wohl fühlen“. Der Partner jedenfalls hat stressdämpfende Wirkung.

 

Wie breit oder fokussiert ist Ihre wissenschaftliche Expertise?

20 Jahre habe ich mich der Neurobiologie der Fische, genau gesagt der Evolution ihrer Fressapparate gewidmet. Im Grunde konnte ich bisher beruflich immer das tun, was mir Spass gemacht hat. Ich werde jetzt zwar sehr stark mit den Wölfen in Verbindung gebracht aber ich möchte nicht auf einen einzelnen Versuch, bzw ein bestimmtes Tier reduziert werden. Ich sehe mich als Verhaltensbiologe mit einem breiten Forschungsfeld von den Fischen über die Vögel bis zu den Säugetieren.

 

Sehen Sie Ihre Tätigkeit an der Universität neben Ihren Forschungsaktivitäten mit Wölfen und Graugänsen als eine zusätzliche Belastung oder wertvolle Ergänzung?

Durch diese Kombination habe ich den Reiz des freien Unternehmers mit den Wölfen und der Forschungsstation Grünau und gleichzeitig bin ich im universitären Netz abgesichert. Ich bin auch froh, noch in die Pragmatisierung hinein gerutscht zu sein, denn sie gibt mir die Möglichkeit, alles zu sagen, was meiner Meinung nach gesagt werden soll. Ich schätze es, als Wissenschaftler frei zu sein, über meine Zeit verhältnismäßig frei verfügen zu können und meine wissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte selbst zu wählen.

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