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aitDas Karrieremodell am AIT ermöglicht ForscherInnen, sich auf die Wissenschaft zu konzentrieren. Durch Etablierung von ExpertInnenkarrieren in der Forschung, können sich MitarbeiterInnen am AIT ihren Stärken und Interessen entsprechend weiterentwickeln. Die Transparenz und Durchlässigkeit erleichtern die Mobilität. Straffes Projektmanagement und klare Ziele kennzeichnen die Forschung am AIT, Austrian Institute of Technology.        Interview mit Dr. Elvira Welzig

 

life-science: Wie lange gibt es das AIT bereits?

Dr. Elvira Welzig: Das AIT, Austrian Institute of Technology hat im Grunde eine lange Geschichte und die Vorgängerorganisation, vielen unter dem Namen „Seibersdorf“ bekannt, geht bis in die 50-er Jahre zurück. Aber vor 5 Jahren erfolgte der umfassendste Change Prozess in der Geschichte des Instituts, sodass wir ab 2009 von einem neuen Institut sprechen. Es gibt eine neue Eigentümerstruktur, komplett neue Regulatorien, neue Strategien; es fährt auf komplett neuen Schienen. Eigentlich kann man es nicht mehr wieder erkennen.

life-science: Vor ca. 2 Jahren haben Sie ein neues Karrieremodell eingeführt. Was sind die wesentlichen Elemente dabei und wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Dr. Elvira Welzig: Die beruflichen Entwicklungswege und Ziele sind klarer erkennbar. Das Kernelement ist die Ermöglichung von Fachkarrieren. Die MitarbeiterInnen können dort arbeiten und sich dort entwickeln, wo ihre größten Stärken und Interessen liegen. Dafür haben wir die strukturellen Rahmenbedingungen geschaffen.

Davor entwickelten sich WissenschafterInnen automatisch in Managementpositionen wie GruppenleiterIn oder TeamleiterIn weiter und übernahmen immer mehr Managementaufgaben, aber hatten immer weniger Zeit für die wissenschaftliche Weiterentwicklung. Im Gegenteil, sie mussten Aufgaben übernehmen, die sie manchmal nie angestrebt hatten.

Heute haben WissenschafterInnen die Möglichkeit, eine ExpertInnenkarriere anzustreben und können sich vom Junior Scientist/Junior Engineer zum Senior Scientist/Senior Engineer und zum internationalen Spezialisten auf seinem Gebiet weiter entwickeln. Sie können sich in ihre Forschung vertiefen.

life-science: Gibt es die Möglichkeit zwischen den Karrieren wieder zu wechseln?

Dr. Elvira Welzig:Ja, das Modell ist durchlässig und es kann gewechselt werden.

life-science: Spezialisierung ist notwendig, um als Spezialist zu reüssieren. Wie groß ist die Gefahr, sich in eine „Spezialisierungssackgasse“ zu manövrieren?

Dr. Elvira Welzig:Das kann ich hier am AIT dezidiert ausschließen. Dem beugen wir mit zwei Mechanismen vor. Unsere Forschungsfelder leiten sich aus der Gesamtstrategie des Unternehmens ab und diese orientiert sich an den Erfordernissen der Gesellschaft im Infrastrukturbereich. Welche Probleme gilt es in Zukunft zu lösen. Unsere Forschungsfragen haben eine hohe Verwertungsrelevanz und wir erheben den Anspruch, 5 bis 10 Jahre voraus zu denken.

Zum anderen forschen wir sowohl auf der Ebene von Einzelkomponenten als auch auf der Systemebene. D.h. welche Auswirkungen hat eine Weiterentwicklung einer einzelnen Komponente auf das Gesamtsystem in das sie eingebettet ist? Damit schließen wir aus, dass unsere ForscherInnen völlig isoliert und vereinzelt an einem Thema forschen.

life-science: Welche Forschungsschwerpunkte setzt das AIT

Dr. Elvira Welzig: Durch die Eigentümerstruktur sind wir auf die Infrastrukturthemen konzentriert - vom Gesundheitswesen, über Energiethemen bis hin zur sicheren Übertragung von Daten. Wir widmen uns der angewandten Forschung. Unsere WissenschafterInnen können ihrer eigenen Forschung auf der Straße wieder begegnen; sie können miterleben, wie sie im Alltag eingesetzt wird. Wir forschen auch an den großen, vernetzten Infrastruktursystemen; aktuell z.B. Urban Systems, Smart Grids und Ambient Assisted Living. Das Health and Environment Department sieht das Wechselspiel und die Vernetzung dieser drei Bereiche als sein Kernthema: Die Verbindung und Vernetzung der drei Bereiche „Gesundheit“, „Umwelt/Energie“ und „Lebensmittel“, beginnend mit dem Anbau bis zur Verarbeitung, sind ein wichtiges Forschungsfeld..

life-science: Sie haben die Mobilität angesprochen, gleichzeitig sind Sie mit Engineering nahe an Innovationen und Prototypen dran. Wie sieht es hier mit Geheimhaltung aus?

Dr. Elvira Welzig: Wir rekrutieren aus Universitäten, aus der Industrie und anderen Forschungsorganisationen, und sind uns klar darüber, dass unsere MitarbeiterInnen zum Teil wieder dorthin weiter gehen werden und unser Wissen mitnehmen. Das sehe ich aber vielmehr als eine laufende Befruchtung und Lieferung von Ideen. Natürlich gibt es gewisse Geheimhaltungsklauseln, die zu befolgen sind. Aber darüber wird Wissen durch den Austausch vermehrt.

life-science: Wie lange ist die durchschnittliche Verweildauer beim AIT?

Dr. Elvira Welzig: Die liegt im Schnitt bei 5-6 Jahren. Wir sind an einem sehr diversen Mix, auch über das Alter hinweg, interessiert. Erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen in der Regel besser, wie man große Systeme spielt. Wir brauchen alle Kompetenzen.

life-science: Rekrutieren Sie Ihre MitarbeiterInnen befristet für bestimmte Projekte oder langfristig.

Dr. Elvira Welzig: Das Karrieremodell zeigt, dass wir MitarbeiterInnen längerfristig entwickeln möchten. Es gibt aber auch MitarbeiterInnen, die unsere Teams kurzfristig verstärken.

Wir gehen durchaus davon aus, dass ein/e MitarbeiterIn von der Universität weg bei uns beginnt, sich zum „Engineer“ entwickelt und danach in die Industrie weiter geht. Unser System ist so durchlässig und transparent, dass die MitarbeiterInnen und Mitarbeiter auch erkennen können, welcher Ebene oder Position in der Industrie oder Universität die jeweilige aktuelle Tätigkeit entspricht.

life-science: Welche Skills sind heute für Forscher/innen unabdingbar?

Dr. Elvira Welzig: Das allerwichtigste und vielleicht lästigste für alle ist das Projektmanagement. Saubere Kenntnisse im Projektmanagement sind das Um- und Auf. Wenn man sie beherrscht, dann fallen sie auch nicht mehr so zur Last. Weiters nenne ich Kommunikationstechniken wie zielgruppenorientierte Präsentation von Ergebnissen. Es macht einen Unterschied, ob ich Ergebnisse bei einer Konferenz, einem Stakeholder oder einem Kunden präsentiere.

life-science: Ihr Karrieremodell sieht die beiden Stränge „Science“ und „Engineering“ vor. Wodurch unterscheiden sich diese?

Dr. Elvira Welzig: Im Bereich „Science“ sind die ForscherInnen näher an der Grundlagenforschung als bei Engineering. Sie greifen Ergebnisse aus der Grundlagenforschung auf und treiben diese voran, damit sie von der anwendungsorientierten Forschung übernommen und weiterentwickelt werden können. Engineering ist hingegen dem ersten Prototypen, der Anwendung und dem Markt wesentlich näher.

life-science: Sie rekrutieren auch gezielt im Ausland. Wie sieht hier das Verhältnis von BewerberInnen und entsprechenden Positionen aus? Überwiegen die BewerberInnen, oder die Positionen, die es zu besetzen gilt?

Dr. Elvira Welzig: Wir nehmen beispielsweise jährlich in der USA an dem vom Ministerium organisierten „science talk“ teil, um mit interessierten KandidatInnen ins Gespräch zu kommen. Wir sind mit mehr KandidatInnen konfrontiert, als wir Positionen anbieten können.

life-science: Worauf legen die BewerberInnen Wert? Wonach suchen diese?

Dr. Elvira Welzig: Vor allem spannende, aktuelle Themen. Wo geht gerade coole Forschung ab? Dort will man dabei sein. Das Gefühl haben, mit der eigenen Forschung etwas bewegen, verändern, mitgestalten zu können.

Darauf setzen auch wir am AIT. Auf Themen die bewegen. Der Nachwuchsforscher Clemens Wassermann konnte 2013 beim „Falling Walls Lab“ in Berlin mit seiner Infektionsdiagnostik das Finale für sich entscheiden.

life-science: Welche Bedeutung hat die finanzielle Abgeltung?

Dr. Elvira Welzig: Das Gehalt ist ein Hygienefaktor. Das AIT bietet sicher vergleichbare Gehälter, aber daneben sind auch andere Anreizsysteme wie Patent- oder Lizenzrechte oder aber das Arbeitsklima entscheidend. Das Gehalt ist ein wichtiges Thema, aber nicht das einzige.

life-science: Beobachten Sie falsche Erwartungen der BewerberInnen an das AIT?

Dr. Elvira Welzig: Ja, vielleicht nicht im Sinne von falscher Erwartung sondern vielmehr im Sinne, es wird außer Acht gelassen, dass es sich bei uns in der Forschung um zielorientiertes Projektmanagement handelt. Unsere Partner sind Großteils aus der Wirtschaft und Industrie. Es gibt eine klare strategische Ausrichtung, klare Zielvorgaben, die einzuhalten sind. Es wird Budgettreue erwartet. Es kommt vor, dass die BewerberInnen gerade diesen Aspekt bei uns nicht sehen.

life-science: Welche Rolle spielen Dissertationen.

Dr. Elvira Welzig: Über die Dissertationen verzahnen wir uns mit den Grundlagenthemen an den Universitäten. Die meisten DissertantInnen gehen danach zwar zu anderen Dienstgebern weiter, aber sie haben unser Institut und unsere Arbeitsweise kennen gelernt. Viele schätzen es sehr, dass sie durch die Dissertationen beim AIT auch Einblick in die Forschungsarbeit der Industrie gewinnen können, auch wenn sie selbst nicht in Industrieprojekten mitarbeiten. Aber die Fragestellungen mitzubekommen, die die Industrie hat, das erleben sehr viele als sehr positiv.

 

ait welzig-elviraDI Dr. Elvira Welzig, Seit 2009 am AIT Austrian Institute of Technology, zeichnet für das strategische HR Management verantwortlich und war Projektleiterin bei der Entwicklung und Einführung des neuen Karrieremodells am AIT. Sie studierte Technische Chemie in Wien, Spanien & Deutschland und arbeitete nach mehreren Jahren in der experimentellen Forschung in der österr. Forschungsförderung als stellvertretende Generalsekretärin der Christian Doppler Forschungsgesellschaft. Foto (c) AIT

 http://www.ait.ac.at

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