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gisela zechnerEs klingt beinahe wie Ironie - Wir feiern 70 Jahre Frieden in Westeuropa, 60 Jahre österreichischer Staatsvertrag und immerwährende Neutralität und ausgerechnet jetzt rollt eine Flüchtlingswelle durch Europa und "Kriegsgerassel" wird laut...

Bereits 1992 erschien die 3. Auflage von Friedrich Glasl's "Konfliktmanagement" in dem er sehr anschaulich den typischen Verlauf von Konflikten beschreibt. Die einzelnen Phasen sind demnach vorhersehbar und folgen einer gewissen inneren Logik. Egal ob zwischen Einzelpersonen, Gruppen oder Staaten. Wenn man diese Logik erkennt, kann man sie durchbrechen, vorausgesetzt die Konfliktparteien wollen es. Ein besonders wichtiges Element am Beginn ist die verzerrte, besser gesagt, die selektive Wahrnehmung der Gesprächspartner, die im Verlauf zu Konfliktparteien und später -gegner mutieren.

Im Anbetracht der aktuellen Entwicklungen in Europa frage ich mich: "wir wissen, wie Konflikte entstehen und was die destruktive Konfliktdynamik anheizt. Wie man als zuerst Unbeteiligter  schließlich in Konflikte hinein gezogen werden kann. Trotzdem treten sie immer wieder auf. Haben wir Menschen zwar schon viel gelernt, aber noch nichts davon verstanden?"

Einer destruktiven Konfliktdynamik kann entgegen gesteuert werden, solange der Konflikt noch nicht auf eine Stufe der gegenseitigen gewaltsamen Angriffe eskaliert und das wechselseitige Vertrauen empfindlich gestört ist. Je weiter ein Konflikt fortgeschritten ist, umso schwieriger wird es für den einzelnen, dem negativen Sog der destruktiven Konfliktdynamik zu entkommen.

Wie sich das individuelle Verhalten in der Chronologie des Konfliktes ändert, beschreibt Glasl folgend:

Die Standpunkte verhärten sich
Der Beginn eines Konfliktes zeichnet sich durch das Verhärten der Standpunkte aus. Jede der Parteien ist von ihrer Sicht der Dinge überzeugt und beharrt darauf, diese durchzusetzen. Die Parteien entwickeln gleichzeitig eine getrübte Wahrnehmung, das heißt, sie nehmen in erster Linie jene Informationen wahr, die die eigene Position und Meinung bestätigen.

Missverständnisse schleichen sich ein
Durch das Sichtbarwerden der Differenzen und das Auftreten der unterschiedlichen Interessen können die Konfliktparteien nicht mehr unbefangen miteinander reden, die Spannung steigt, die Reizbarkeit nimmt zu, und das kann dazu führen, dass sich die Parteien weniger deutlich und vollständig ausreden, wodurch sich Missverständnisse und Verzerrungen einschleichen. Die fehlenden Informationen werden durch eigene Interpretationen und Phantasien ersetzt. Trotzdem sind in dieser Phase des Konfliktes beide Parteien nach wie vor davon überzeugt, dass sie die Spannungen durch geordnetes Verhandeln wirkungsvoll bewältigen können. – Eine durchaus realistische Einschätzung, wenn beide willens sind.

Macht und Prestige werden wichtig
Gelingt es den Parteien nicht, die Differenzen auszuhandeln, so greifen sie im weiteren Verlauf zu schärferen Mitteln, um ihre Standpunkte durchzusetzen. Das Debattieren entwickelt sich zum Machtspiel, das Verteidigen der eigenen Position wird zur Prestigesache. In die Argumentation mischt sich ein überheblicher belehrender Ton, der zu einer weiteren Distanzierung beiträgt. Taktieren tritt an die Stelle des offenen Gesprächs und jeder hat Angst, sich in die Karten schauen zu lassen. Argwohn und Misstrauen nehmen zu. Das Streben nach einer gemeinsamen Lösung wechselt mit Konkurrenzdenken und -handeln.

Den Worten folgen die Taten
Nachdem mit Gesprächen keine Einigung erzielt werden kann, führt jede Partei jene Handlungen aus, die ihrem Standpunkt entsprechen und über die sie bereits erfolglos debattiert hatte. Die Parteien stellen sich gegenseitig vor vollendete Tatsachen. Die handelnde Partei versucht auf diese Weise ihre Haltung der Gegenpartei aufzuzwingen, womit Gegenreaktionen provoziert werden.

Lösung nur bei vollinhaltlicher Zustimmung
Die Standpunkte haben sich mittlerweile so verhärtet, dass keine der Parteien bereit ist, ihr Verhalten zu ändern, aber von der Gegenpartei erwartet, dass diese nachgibt. Die Lösung des Konfliktes wird nur noch in der Weise gesehen, dass die eigene Haltung vollinhaltlich vom anderen übernommen wird.

Einfühlungsvermögen und Verständnis schwinden
Mit dem Verhärten der Fronten tritt ein weiterer Rückgang des offenen gemeinsamen Gespräches ein. Dadurch kommt es zu einer gefährlichen Dynamik, da sich der Schwerpunkt der Auseinandersetzung auf die Ebene des Handelns verlagert, die viele Möglichkeiten für Fehlinterpretationen und Missverständnisse bietet. Jeder schließt sich gegenüber der anderen Partei ab, wodurch die Möglichkeit für ein gegenseitiges Einfühlungsvermögen und Verständnis schwindet. Wenn vorrangig Taten sprechen, dann wird der "Weg zurück" schwieriger und es besteht die berechtigte Befürchtung, den gemeinsamen Boden für eine Problemlösung zu verlieren.

"Gemeinsam gegen den Feind"
Die gegenseitige Konkurrenz darüber, wer seine Interessen durchsetzt nimmt zu und wenn sich der Konflikt zwischen zwei Gruppen abspielt, so steigt gleichzeitig das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer Partei ("Gemeinsam sind wir stärker"). Das kann bis zum Gruppendruck der Konformität und Einstimmigkeit gehen. Individuelle persönliche Meinungen und Gefühle werden aufgehoben und werden innerhalb der Gruppe nicht mehr geduldet. Die Gruppenmitglieder bestätigen sich gegenseitig in den Vorurteilen gegenüber der Gegenpartei und bestärken sich gegenseitig in ihrer Selbstglorifizierung.

Ein erklärtes Feindbild
Die Gegenpartei wird zum Feindbild erklärt und ihr werden zahlreiche negative Eigenschaften zugeschrieben, die nicht mehr zurückgenommen werden, auch wenn neue Erfahrungen und Informationen eine Korrektur erfordern würden. Jede Partei provoziert die Gegenpartei zu Verhaltensweisen, mit denen dieses negative Bild bestätigt wird. Es werden Verbündete gesucht, die die eigene Meinung und Handlungsweise bestätigen. Der Konflikt beginnt sich auszudehnen, indem vorerst unbeteiligte Personen in die Auseinandersetzung hineingezogen werden.
In diesem Stadium des Konfliktes sehen die Parteien die Ursache "allen Übels" in den persönlichen Eigenschaften ("Unfähigkeiten") des anderen und weniger in den sachlichen Inhalten.
Die Spannungen zwischen den Konfliktparteien nehmen zu und Lösungen sind nicht absehbar. Die Konfliktparteien schlagen zeitweilig verbal oder leicht schädigend (handgreiflich) direkt aufeinander los, um ihrem Unmut Luft zu machen.

Dämonisierung der Gegenpartei
Die Parteien manövrieren sich gegenseitig in Situationen, in denen sie in der Öffentlichkeit bloß gestellt werden, sich blamieren oder in Frage gestellt werden, bis eine vollends das Gesicht verliert. Dieser Gesichtsverlust der einen Partei führt zum "Aha-Erlebnis" der anderen Partei, die nun glaubt, den Gegner völlig durchschaut zu haben und dass seine "bösen Absichten" bzw. "schlechten Eigenschaften" nun endlich ans Tageslicht kommen. Dieser Gesichtsverlust ist häufig verbunden mit dem Verlust von Respekt und Achtung vor dem anderen, es werden von diesem nur noch die negativen Eigenschaften in übersteigertem Maß wahrgenommen. Alle positiven Erinnerungen werden davon überlagert. Die eigene Person wird hingegen über das normale menschliche Ausmaß hinaus erhöht.
Jede Partei ist überzeugt, in der Vergangenheit bereits genügend Kooperationsbereitschaft gezeigt zu haben und wartet nun auf ein Entgegenkommen der Gegenseite. Das Vertrauensverhältnis ist mittlerweile bereits so stark belastet, dass ein einzelner Schritt des Entgegenkommens noch gar nicht als ein solcher wahrgenommen wird und es mehrerer ehrlicher Schritte und einer entsprechend langen Zeit bedarf, bis von der Gegenseite eine ähnliche Annäherung erwartet werden kann. Da jede Partei auf die ersten Schritte des anderen wartet, kann ein Näherkommen praktisch nur noch durch die Vermittlung eines unbeteiligten Dritten erfolgen.

Drohgebärden
Schreitet die Dynamik des Konfliktes ungehindert fort, so steigt bei den Parteien die Bereitschaft zum Gewaltdenken und -handeln. Die Einstellungen sind wesentlich radikaler. Gegenseitige Bedrohungen setzen die Parteien unter Druck und in dieser Stresssituation erhöht sich das irrationale Handeln. Das Drohverhalten kann unter Umständen erst recht zu jener Entwicklung führen, die man damit eigentlich verhindern wollte.

Die Konfliktparteien nehmen die Gegenseite als besonders aggressiv wahr und sehen das eigene Verhalten hingegen ausschließlich als zwingende Reaktion auf die Gegenseite.
Sind die Konfliktparteien in diesem Stadium der Eskalation angelangt, dann können sie kaum noch aus eigener Kraft zurück. Von den Drohungen ist der Schritt zu ersten begrenzten Angriffen rasch getan, der bis zur gegenseitigen Existenzzerstörung ohne Rücksicht auf eigene Verluste gehen kann.

Je weiter ein Konflikt fortschreitet, um so stärker reduzieren wir unsere Wahrnehmung. Um so weniger nehmen wir von der Wirklichkeit des Konfliktpartners wahr.

Wenn Konflikte entmystifiziert und darauf reduziert werden, was sie sind, nämlich das Aufeinandertreffen von mindestens zwei Wirklichkeiten aus denen eine dritte kreative Lösung hervorgehen kann, dann wird auch die Bereitschaft wachsen, die abweichende Meinung als Bereicherung wahrzunehmen. Die abweichende Meinung, die den eigenen Horizont erweitert. Ein konstruktiver Umgang mit Konflikten kann als ein kreativer Umgang mit Unterschieden gesehen werden, aus dem innovative Lösungen hervorgehen können.

publiziert von Gisela Zechner in "Projekte auf kommunaler Ebene erfolgreich managen", Manz Verlag 1998

Anmerkung: Ein Faktor ist in dieser Analyse der Konflikteskalation allerdings noch nicht berücksichtigt, nämlich das Internet, die modernen Medien und deren Einfluss auf Konfliktentwicklungen von Gruppen. Kann durch diese Vielfalt an Informationskanälen die zur Verfügung stehen, und der Möglichkeit sich auf sozialen Medien auszutauschen, einer Einengung der Wahrnehmung vorgebeugt oder entgegen gesteuert werden?

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